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Titelseite RAID Magazin Ausgabe 08

Ausgabe 08

Manuel Ostermann: Was bedeutet es, Polizist zu sein?

2026 · Deutsch · 30 Seiten

In dieser Ausgabe

  1. S. 4Das gläserne Gefechtsfeld: Drohnen, KI und SensorenBundeswehr · Sicherheitslage
  2. S. 6Laufteam Bundeswehr und Reservisten e.V.Training & Mindset · Bundeswehr
  3. S. 8Zwischen Auftrag und Verantwortung: Absicherung im EinsatzBundeswehr
  4. S. 10OSINT: Gefahren erkennen, bevor sie sichtbar werdenSicherheitslage
  5. S. 14Was bedeutet es eigentlich, Polizist zu sein?Polizei
  6. S. 18Der europäische Weg für taktische Medizin am HundK9 / K9 Medic · Taktische Medizin
  7. S. 20Tailgate X: Vom Acker zur GroßveranstaltungSzene & Events
  8. S. 23Kettlebell-WorkoutTraining & Mindset
  9. S. 24Die nächste Generation der Tactical MedicineTaktische Medizin
  10. S. 26Terror, Amok oder Gewaltkriminalität: Warum die Unterscheidung wichtig istSicherheitslage · Polizei
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Das gläserne Gefechtsfeld: Drohnen, KI und Sensoren Seite 4

RAID //f@)) raid.magazin DAS GLÄSERNE GEFECHTSFELD WIE DROHNEN, KI UND VERNETZTE SENSOREN DIE KRIEGSFUHRUNG VERANDERN Der Ukraine-Krieg hat es allen gezeigt: Drohnen sind kein Nice-to-have für die Aufklärung mehr, sondern fester Bestandteil des modernen Gefechts. Kleine Quadrocopter beobachten Stellungen, Loitering Munition schlägt zu, größere Systeme überwachen ganze Räume. Und all das wird immer enger vernetzt - mit einer simplen Konsequenz: Wer entdeckt wird, wird heute schneller bekämpft. Wie das Heer das neue Gefecht denkt Auch die Bundeswehr stellt sich darauf ein. Das Heer beschreibt das Gefechtsfeld der Zukunft als einen hochvernetzten Raum, in dem unbemannte Systeme, elektronische Kampfführung, Flugabwehr, weitreichendes Feuer und klassische Kampftruppen ineinandergreifen. Der erste Feindkontakt soll künftig häufiger unbemannt stattfinden: Drohnen klären auf, stören oder bekämpfen gegnerische Systeme - und schaffen so die Lage, bevor Panzer und Infanterie ins bewegliche Gefecht gehen. Vom Melder zum Wirkverbund Damit ändert sich auch, wie Aufklärung funktioniert. Früher galt vereinfacht: Ein Aufklärer entdeckt, meldet - und andere übernehmen die Wirkung. Diese Kette wird jetzt kürzer. Neue Systeme wie HUSAR, FALKE oder die Nanodrohne Black Hornet liefern Informationen praktisch in Echtzeit. Ergänzt durch Loitering Munition entsteht ein Verbund, in dem Sensor und Effektor direkt zusammenhängen. Wie ernst es der Bundeswehr damit ist, zeigten mehrere Erprobungen: Im Gefechtsübungszentrum wurden Ziele unbemannt aufgeklärt und ebenso unbemannt bekämpft. Bei der Großübung Freedom Shield 2026 setzte die Panzerbrigade 45 in Litauen laut Bundeswehr rund 350 Drohnen ein - gesteuert aus einer zentralen Operationszentrale, die Detektion, Wirkung und Drohnenabwehr koordinierte. Die Drohne ist damit längst nicht mehr das Einzelgerät eines Bedieners, sondern Teil eines größeren Gefechtsnetzwerks. Loitering Munition in großer Stückzahl Parallel wächst die Bedeutung von Loitering Munition spürbar. Rheinmetall hat 2026 einen Rahmenvertrag für das System FV-014 erhalten - erster Abruf: rund 300 Millionen Euro, mit der Option auf eine fünfstellige Stückzahl. Solche Systeme sind damit keine Nischenfähigkeit mehr, sondern sollen künftig in großer Zahl verfügbar sein. Schwarm statt Einzeldrohne Auch die Industrie treibt die Automatisierung voran. Helsing entwickelt mit der HX-2 eine elektrisch angetriebene Strike-Drohne für den Einsatz in größeren Verbänden, auch unter elektronischer Kampfführung. Mehrere Systeme sollen sich von einem einzigen Bediener koordinieren lassen. Der Hersteller betont, der Mensch bleibe für kritische Entscheidungen verantwortlich - klar wird aber, wohin die Reise geht: Der Operator steuert bald keine einzelne Drohne mehr, sondern gibt einem ganzen Verbund einen Auftrag. Die Abwehr zieht nach Mehr Drohnen bedeuten zwangsläufig mehr Bedarf an Abwehr. Die Bundeswehr prüft verschiedene Abfangdrohnen und Counter-UAS-Konzepte, dazu kommt klassische Flugabwehr wie der Skyranger 30 auf Boxer-Basis, der mechanisierte Kräfte begleiten und vor allem gegen kleine Luftziele schützen soll. Drohnen haben die klassische Flugabwehr also nicht überflüssig gemacht - im Gegenteil, sie machen mobile, mehrschichtige Abwehr wieder unverzichtbar. Tarnung neu gedacht Auf einem zunehmend gläsernen" Gefechtsfeld reicht es nicht mehr, für das bloße Auge schwer erkennbar zu sein. Wärmebild, Radar und Funkaufklärung verraten Bewegung und Position auch so. Entscheidend ist nicht mehr nur, ob der Gegner etwas sehen kann, sondern welcher Sensor die Signatur erfasst - und wie schnell diese Information beim Wirkmittel landet. Der Panzer ist noch nicht raus Machen Drohnen den Kampfpanzer überflüssig? Das greift zu kurz. Das aktuelle Heereskonzept sieht Panzer, Infanterie und Artillerie weiterhin als Kern des Gefechts. Verändert hat sich das Umfeld: Schwere Kräfte müssen künftig unter einem Schutzschirm aus Aufklärung, elektronischer Kampfführung, Drohnenabwehr und weitreichender Wirkung operieren. Die eigentliche Revolution steckt deshalb weniger im einzelnen Fluggerät als in der Vernetzung dahinter. Drohnen, Kl, Sensoren und digitale Führung verkürzen die Zeit zwischen Erkennen und Wirken - das Gefechtsfeld wird transparenter, schneller und unübersichtlicher zugleich. Wer zuerst erkennt, verarbeitet und wirkt, hat den Vorteil. Wer entdeckt wird und zu langsam reagiert, bekommt womöglich keine zweite Chance. Der Krieg als Maßstab Wie groß die Dimension inzwischen ist, zeigen die Zahlen aus der Ukraine. 2025 beschaffte das Land laut Berichten rund vier Millionen Drohnen, der tägliche Verbrauch lag bei über 10.000 Systemen. Für 2026 ist das Ziel auf sieben Millionen Drohnen gestiegen, der Tagesbedarf könnte auf rund 19.000 Stück klettern. Präsident Selenskyj sprach zudem von einer Kapazität, täglich bis zu 2.000 Abfangdrohnen zu produzieren. Auch am Boden wächst die Zahl unbemannter Systeme rasant: von rund 2.000 Einsätzen 2024 über 15.000 im Jahr 2025 auf inzwischen über 7.000 pro Monat, Zielmarke 2026 sind 10.000 Bodendrohnen monatlich. Russland hält mit Langstrecken-Angriffsdrohnen dagegen - aktuell 350 bis 500 pro Tag, Ziel für 2026 sind 600 bis 800, langfristig sogar 1.000 täglich. Beide Seiten haben inzwischen eigene Drohnentruppen mit fünf- bis sechsstelliger Personalstärke aufgestellt. Die Ostflanke wird zum Testfeld Dass genau dort geübt wird, wo es ernst werden könnte, zeigte sich 2026 auch abseits von Freedom Shield: Im März und Mai drangen mutmaßlich ukrainische Orohnen mehrfach in den Luftraum von Litauen, Lettland, Estland und Finnland ein - im Zusammenhang mit ukrainischen Angriffen auf russische Olinfrastruktur, mehrere Beobachter vermuteten zusätzlich russische Funkstörung als Ursache für die Kursabweichungen. Ein rumänischer F-16 schoss im Mai eine Drohne über Estland ab. Als Reaktion plant die NATO bis Ende 2027 eine automatisierte Überwachungs- und Abwehrzone entlang der Grenze zu Russland und Belarus, Polen treibt parallel eigene nationale Anti-Drohnen-Systeme voran, ergänzt durch eine Drohnen-Allianz zwischen EU und Ukraine, die 2026 anlaufen soll. Für die Panzerbrigade 45 in Litauen ist das keine abstrakte Zukunftsmusik, sondern der unmittelbare Ernstfall vor der eigenen Haustür. Wer entscheidet noch mit? Parallel zur Technik zieht die Bundeswehr im Juli 2026 auch konzeptionell nach: Das Verteidigungsministerium veröffentlichte erstmals öffentlich seine Leitlinien zum Einsatz von KI in Waffensystemen. Grundprinzip: Der Mensch soll die Entscheidung über den Waffeneinsatz treffen, muss dafür aber nicht bei jedem einzelnen operativen Schritt eingebunden sein - das Ministerium nennt das kontextabhängige menschliche Kontrolle". Kritiker wie die Informationsstelle Militarisierung bezweifeln, dass sich das trennscharf vom international geforderten Human in the Loop" unterscheidet, und werten die Wortwahl als Verwässerung. Ganz praktisch wird das Prinzip bald bei der Panzerbrigade 45 spürbar. Ab 2027 soll dort das System URANOS erprobt werden, das Sensordaten bündelt und Wirkvorschläge macht - die letzte Entscheidung soll aber weiter beim Soldaten liegen. Die Zahlen aus dem Osten und die Leitlinien aus Berlin zeigen dasselbe Bild aus zwei Richtungen: Das gläserne Gefechtsfeld ist keine Zukunftsvision mehr, sondern wird gerade in Echtzeit weitergeschrieben - technisch, taktisch und inzwischen auch rechtlich, Quellen: bundeswehr.de // rheinmetall.com // helsing.ei militaeraktuelLat // zonearmee.com

Laufteam Bundeswehr und Reservisten e.V. Seite 6

Laufteam Bundeswehr und Reservisten e.V. // (Bj) laufteam bwres LAUFTEAM BUNDESWEHR UND RESERVISTEN E.V. — SPORT, KAMERADSCHAFT UND GESELLSCHAFTLICHES ENGAGEMENT VEREINT Das Laufteam Bundeswehr und Reservisten eV. steht für weit mehr als sportliche Höchstleistungen. Der gemeinnützige Verein verbindet aktiven Laufsport mit den Werten der Bundeswehr - Kameradschaft, Verantwortung, Einsatzbereitschaft und Solidarität. Unter dem Leitmotiv Laufend laufend helfen! engagieren sich aktive Soldatinnen und Soldaten, Reservistinnen und Reservisten sowie zivile Unterstützer gemeinsam für den guten Zweck. Seit seiner Gründung hat sich der Verein zu einer bundesweiten Gemeinschaft entwickelt, die bei zahlreichen Laufveranstaltungen, Benefizaktionen und öffentlichen Veranstaltungen präsent ist. Dabei repräsentieren die Mitglieder nicht nur den Ausdauersport, sondern leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zur positiven Wahrnehmung der Bundeswehr und der Reserve in der Gesellschaft. Der Verein fördert den Austausch zwischen militärischen und zivilen Mitgliedern und schafft eine Plattform, auf der Sport Menschen verbindet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem sozialen Engagement. Mit regelmäßig stattfindenden Spendenläufen und Benefizaktionen werden wohltätige Projekte sowie hilfsbediirftige Angehörige der Bundeswehr, Reservisten und deren Familien unterstützt. Jeder gelaufene Kilometer steht symbolisch für gelebte Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung. Darüber hinaus engagiert sich das Laufteam in Kooperationen mit Partnerorganisationen, um den Gedanken von Kameradschaft, Ehrenamt und gesellschaftlichem Zusammenhalt weiter zu stärken. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen trägt dazu bei, sportliche Aktivitäten mit sozialem Engagement und sicherheitspolitischer Verbundenheit zu verknüpfen. Mit Blick auf die Zukunft entwickelt sich der Verein kontinuierlich weiter. Neben dem klassischen Laufsport werden inzwischen weitere sportliche Aktivitäten angeboten, um noch mehr Menschen für Bewegung, Gemeinschaft und ehrenamtliches Engagement zu begeistern. Diese Entwicklung unterstreicht den Anspruch des Vereins, ein modernes, offenes und zukunftsorientiertes Sportnetzwerk zu sein. Das Laufteam Bundeswehr und Reservisten eV. zeigt eindrucksvoll, dass Sport Brücken bauen kann - zwischen Generationen, zwischen militärischen und zivilen Mitgliedern sowie zwischen sportlichem Ehrgeiz und sozialer Verantwortung. Wer Teil dieser Gemeinschaft wird, läuft nicht nur für die eigene Fitness, sondern auch für Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und einen guten Zweck. Weitere Informationen zum Verein unter. www.bundeswehrundreservisten.de

Zwischen Auftrag und Verantwortung: Absicherung im Einsatz Seite 8

Anne Spahn // ‚spz.radar // www.zitka.de/anne-spahn ZWISCHEN AUFTRAG UND VERANTWORTUNG WARUM ABSICHERUNG ZUR EINSATZVORBEREITUNG GEHORT Wenn ich mit Soldaten spreche, stelle ich oft eine einfache Frage: Was braucht man, um auf Unvorhergesehenes vorbereitet zu sein? Die Antworten ähneln sich: gute Ausbildung, die richtige Ausrüstung, ein starkes Team, Erfahrung sowie körperliche und mentale Fitness. Versicherungen erwähnt kaum jemand, Und genau das finde ich spannend. Denn Menschen, die beruflich Risiken analysieren, Gefahren erkennen und sich auf Ausnahmesituationen vorbereiten, übersehen häufig die Risiken, die ihre eigene Zukunft betreffen. Nicht aus Leichtsinn, sondern weil der Fokus verstandlicherweise auf Auftrag, Einsatz und Karriere liegt. Ich selbst bin familiär mit der Bundeswehr und Bundesbehörden aufgewachsen. Auslandseinsätze, lange Abwesenheiten von Angehörigen, psychische Belastungen und die besonderen Herausforderungen spezieller Verwendungen waren für mich nie nur Schlagworte. Sie gehörten zu meinem Umfeld und haben meinen Blick auf Verantwortung geprägt. Dabei habe ich immer wieder erlebt: Viele Soldaten wissen sehr genau, wie sie sich auf operative Risiken vorbereiten. Über ihre persönlichen Versorgungsansprüche und mögliche Absicherungslücken wissen sie dagegen oft erstaunlich wenig. Die Risiken, über die niemand gerne spricht Wer neu zur Bundeswehr kommt, beschäftigt sich mit vielen Dingen gleichzeitig: Dienstposten, Lehrgängen, Standortwechseln, ersten Übungen oder vielleicht sogar der Perspektive auf einen Auslandseinsatz. Die eigene Absicherung wirkt dagegen oft wie ein Thema für später. Doch dieses "später" kommt manchmal schneller als gedacht. Eine Erkrankung hält sich nicht an Karrierepläne. Eine Verletzung fragt nicht nach Dienstgrad oder Verwendung. Und ein Schicksalsschlag interessiert sich nicht dafür, wie alt jemand ist. Wichtige Entscheidungen werden trotzdem häufig aufgeschoben - nicht aus Verantwortungslosigkeit, sondern weil kaum jemand verständlich erklärt, welche Auswirkungen Entscheidungen heute auf die Möglichkeiten von morgen haben können. Dabei geht es nicht um Panikmache, sondern um realistische Planung. Vier Fragen, die jeder für sich beantworten können sollte + Welche Leistungen erhalte ich tatsächlich vom Dienstherrn, wenn ich dauerhaft dienstunfähig werde? Wie verändert sich meine Versorgung abhängig von Status, Laufbahn oder Dienstzeit? Welche finanziellen Verpflichtungen würden für meine Familie bestehen bleiben? + Wer würde für laufende Kosten aufkommen, wenn mein Einkommen plötzlich wegfällt? Verantwortung bedeutet, vorauszudenken Eine Sache beeindruckt mich an Soldaten besonders: Sie denken in Szenarien. Was passiert, wenn Plan A nicht funktioniert? Wenn Personal ausfällt? Wenn sich die Lage verändert? Diese Denkweise ist ein wesentlicher Teil professioneller Einsatzvorbereitung. Gleichzeitig wird dieselbe Logik auf die eigene Zukunft oft nicht angewendet. Dabei sollte genau dort dieselbe Frage gestellt werden: Was passiert, wenn mein ursprünglicher Lebensplan nicht mehr funktioniert? Verantwortung bedeutet nicht, jedes Risiko ausschließen zu wollen. Verantwortung bedeutet, bekannte Risiken bewusst zu bewerten Kann ich weiter für meine Familie sorgen? Wie sieht meine finanzielle Situation aus? Welche Ansprüche habe ich tatsächlich? Wo bestehen möglicherweise Lücken? Das sind keine angenehmen Fragen. Aber genau deshalb sind sie wichtig. Ein sinnvoller erster Schritt besteht darin, die vorhandenen Ansprüche zu prüfen, bevor über mögliche Lösungen gesprochen wird. Wer weiß, welche Leistungen bereits bestehen und wo tatsächlich Risiken liegen, kann bessere Entscheidungen treffen als jemand, der sich ausschließlich auf Hörensagen verlässt. Warum ich keine Produkte, sondern Situationen betrachte Wenn Menschen hören, dass ich Versicherungsmaklerin bin, denken sie häufig zuerst an Produkte. Ich denke zuerst an Menschen: an den jungen Mannschaftssoldaten am Beginn seiner Laufbahn, an den Feldwebel mit Familie, an den Soldaten im Auslandseinsatz oder an den erfahrenen Berufssoldaten, der bereits Verantwortung für andere trägt. Jede dieser Personen bringt andere Voraussetzungen, Ziele und Risiken mit. Deshalb kann eine gute Beratung für mich niemals aus einem Standardkonzept bestehen. Bevor über Lösungen gesprochen wird, möchte ich verstehen, wie ‚jemand lebt, welche Pläne bestehen und welche Herausforderungen tatsächlich relevant sind. Absicherung sollte sich dem Menschen anpassen - nicht umgekehrt. Gerade im militärischen Umfeld werden Entscheidungen häufig aufgrund von Empfehlungen aus dem Kameradenkreis getroffen. Das ist nachvollziehbar. Doch die Situation eines Berufssoldaten kann sich erheblich von der eines Zeitsoldaten unterscheiden. Was für den einen sinnvoll ist, kann für den anderen unnötig sein. Deshalb lohnt es sich, die eigene Situation individuell zu betrachten statt Lösungen einfach zu übernehmen. Was mir wirklich wichtig ist Ich habe diesen beruflichen Schwerpunkt nicht gewählt, weil ich Versicherungen verkaufen wollte. Ich habe ihn gewählt, weil ich über viele Jahre gesehen habe, dass es in diesem Bereich Aufklärungsbedarf gibt. Zu viele Menschen verlassen sich auf Halbwissen, Aussagen aus dem Bekanntenkreis oder Informationen aus dem Internet, die nicht zu ihrer persönlichen Situation passen. Meine Motivation ist deshalb einfach: Ich möchte, dass Menschen informierte Entscheidungen treffen können. Manchmal bedeutet das, eine bestehende Absicherung zu bestätigen. Manchmal bedeutet es, Risiken aufzuzeigen. Und manchmal bedeutet es auch, festzustellen, dass aktuell gar kein Handlungsbedarf besteht. Wichtige Entscheidungen sollten möglichst dann geprüft werden, solange alle Möglichkeiten noch offenstehen. Wer sich frühzeitig informiert, hat in der Regel mehr Handlungsoptionen als jemand, der sich erst mit dem Thema beschaftigt, wenn bereits Probleme entstanden sind. Das bedeutet nicht, vorschnell etwas abzuschließen, sondern sich rechtzeitig einen Überblick zu verschaffen. Für mich zählt nicht der schnelle Abschluss, sondern langfristiges Vertrauen. Fazit - Professionelle Vorbereitung endet nicht am Kasernentor. Sie umfasst nicht nur Ausbildung, Fitness, Material und Einsatzbereitschaft. Sie umfasst auch die Verantwortung für die eigene Zukunft und für die Menschen, die einem wichtig sind. Mein Rat ist deshalb einfach: Prüfen Sie regelmäßig, welche Ansprüche und Leistungen bereits bestehen. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf allgemeine Aussagen aus dem Internet oder aus dem Kameradenkreis. Und stellen Sie sich dieselbe Frage, die auch in der Einsatzplanung eine zentrale Rolle spielt: Was passiert, wenn nicht alles nach Plan läuft? Wer darauf eine belastbare Antwort hat, gewinnt vor allem eines: Handlungsfähigkeit. Wer sich auf kritische Situationen vorbereitet, bevor sie eintreten, handelt nicht ängstlich, sondern professionell. Genau deshalb betrachte ich Absicherung nicht als reines Versicherungsthema, sondern als Teil der persönlichen Einsatzvorbereitung. Denn nicht alles, was wichtig ist, trägt Uniform, fährt gepanzert oder befindet sich im Rucksack. Manche der wichtigsten Vorbereitungen finden lange vor dem Ernstfall statt - unsichtbar, unspektakulär und genau deshalb oft unterschätzt. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit: www.GUARDIANSLEAGUEGERMANY.ne

OSINT: Gefahren erkennen, bevor sie sichtbar werden Seite 10

raid.magazin OSINT OPEN SOURCE INTELLIGENCE Gefahren erkennen, bevor sie sichtbar werden Wer heute Informationen über eine Person, ein Unternehmen, einen Ort oder eine Veranstaltung sucht, braucht dafür nicht zwingend geheime Datenbanken. Ein großer Teil relevanter Informationen liegt offen im Netz. Genau hier beginnt Open Source Intelligence, kurz OSINT. OSINT bedeutet vereinfacht: öffentlich zugängliche Informationen werden gezielt gesucht, geprüft, miteinander verbunden und bewertet. Die NATO beschreibt OSINT als Erkenntnisse aus öffentlich verfügbaren und bestimmten nicht eingestuften Informationen. Entscheidend ist nicht nur das Finden. Der eigentliche Wert entsteht durch die Analyse. Ein Instagram-Post ist zunächst nur ein Bild. In Verbindung mit Zeitpunkt, Standort, Hintergrund oder weiteren Beiträgen kann daraus jedoch ein größeres Lagebild entstehen. Genau das unterscheidet einfache Internetrecherche von professioneller OSINT-Arbeit. Wo wird OSINT eingesetzt? Polizeibehörden, Nachrichtendienste, Militär, Sicherheitsabteilungen großer Unternehmen, Ermittler und Journalisten arbeiten mit offenen Quellen. Europol setzt beispielsweise OSINT-Spezialisten gemeinsam mit Ermittlern ein, um öffentlich zugängliche Informationen auszuwerten. Auch Unternehmen bauen entsprechende Strukturen auf. Bereiche wie Corporate Security, Threat Intelligence, Risk Management oder Protective Intelligence sollen Informationen frühzeitig erkennen, einordnen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. OSINT im Personenschutz Gerade im Personenschutz wird OSINT häufig unterschätzt. Gute Schutzarbeit beginnt nicht erst an der Fahrzeugtür. Sie beginnt deutlich früher mit Vorbereitung, Aufklärung und Informationsgewinnung, Vor einer Reise oder einem öffentlichen Termin kann geprüft werden, welche Stimmung rund um eine Schutzperson besteht. Gibt es Drohungen, aggressive Kommentare, Protestaufrufe oder konkrete Ankündigungen? Werden Hotels, Veranstaltungsorte oder Gewohnheiten öffentlich diskutiert? Hat jemand wiederholt auffällige Beiträge veröffentlicht? Ein negativer Kommentar ist noch keine Bedrohung. Wenn dieselbe Person aber über Wochen konkreter wird, Orte nennt oder ankündigt, bei einer Veranstaltung aufzutauchen, verändert sich die Bewertung. OSINT hilft, einzelne Hinweise zu einem Gesamtbild zusammenzuführen. Welche Quellen können genutzt werden? Die offensichtlichsten Quellen sind soziale Netzwerke. Instagram liefert Bilder, Stories und Ortsmarkierungen. Facebook kann Hinweise auf Veranstaltungen, Gruppen und Netzwerke geben. Linkedin zeigt berufliche Positionen, Arbeitgeber und Funktionen. TikTok und YouTube liefern Videos, Kommentare und aktuelle Eindrücke von Orten oder Ereignissen. Hinzu kommen Suchmaschinen, Nachrichtenseiten, Firmenwebseiten, Pressemitteilungen, öffentliche Register, Kartenund Satellitendienste, Foren und öffentlich zugängliche Dokumente. Wichtig ist die Kombination mehrerer Quellen. Ein Beitrag allein kann falsch, veraltet oder aus dem Zusammenhang gerissen sein. Stimmen mehrere unabhängige Quellen überein, steigt die Aussagekraft. Verifikation ist wichtiger als Geschwindigkeit Das größte Problem bei OSINT ist nicht der Mangel an Informationen, sondern deren Menge. Fotos können alt sein, Videos manipuliert, Profile gefälscht und Aussagen bewusst irreführend. Professionelle Recherche darf deshalb nicht alles übernehmen, was im Netz steht. Die zentrale Frage lautet immer. Woher stammt diese Information und lässt sie sich bestätigen? Bilder können anhand von Gebäuden, Straßenschildern oder anderen Details einem Ort zugeordnet werden. Aussagen sollten mit weiteren Quellen abgeglichen werden. OSINT bedeutet deshalb nicht einfach Google bedienen. Es bedeutet Informationen sammeln, bewerten, verifizieren und daraus eine belastbare Einschätzung erstellen. KI als Verstärker Künstliche Intelligenz verändert auch OSINT. Große Informationsmengen können schneller sortiert, Texte zusammengefasst, Sprachen übersetzt und Muster erkannt werden. KI kann Analysten unterstützen, ersetzt aber nicht die menschliche Bewertung. Ironie, Falschinformationen und bewusste Täuschung können sonst zu Fehlbewertungen führen. Die andere Seite von OSINT Wer OSINT zur Gefahrenabwehr nutzt, sollte verstehen, dass auch die eigene Organisation beobachtet werden kann. Mitarbeiter posten Bilder aus Büros, Fahrzeuge stehen mit sichtbaren Kennzeichen vor Gebäuden und Termine werden in Echtzeit veröffentlicht. Für einen möglichen Angreifer können genau diese Informationen interessant sein. Deshalb gehört zu professioneller Sicherheit auch die Frage: Welche Informationen geben wir selbst preis? Rechtliche und ethische Grenzen Öffentlich zugänglich bedeutet nicht grenzenlos nutzbar. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht und interne Vorgaben müssen berücksichtigt werden. Professionelle OSINT-Arbeit bedeutet nicht, Accounts zu hacken, Passwörter zu beschaffen oder technische Schutzmechanismen zu umgehen. Auch die Verhältnismäßigkeit ist entscheidend. Nicht jede kritische Aussage rechtfertigt eine tiefgehende Recherche. Informationen müssen einen nachvollziehbaren Bezug zur Sicherheitsaufgabe haben. Fazit Open Source Intelligence ist keine geheime Superfahigkeit. Es ist die strukturierte Nutzung von Informationen, die häufig für jeden sichtbar im Internet liegen. Wer weiß, wonach er sucht, Quellen miteinander verbindet, Informationen überprüft und daraus ein Lagebild erstellt, kann Risiken früher erkennen. Gerade im Personenschutz kann dieser zeitliche Vorsprung entscheidend sein. Eine Gefahr, die früh erkannt wird, lässt sich möglicherweise vermeiden, bevor sie zu einer akuten Situation wird. Für Behörden, Unternehmen und professionelle Sicherheitsstrukturen gehört OSINT deshalb heute zum Werkzeugkasten moderner Gefahrenprävention. Quellen: NATO, Allied Joint Doctrine for Intelligence Procedures (AJP-2.), Europol, Cyber Intelligence / Open-Source Intelligence. Europol, ENFAST Trackathon 2026

Was bedeutet es eigentlich, Polizist zu sein? Seite 14

Manuel Ostermann // [@)) manuel ostermann WAS BEDEUTET ES EIGENTLICH, POLIZIST ZU SEIN? Bevor ein Polizeibeamter seinen Dienst beginnt, verabschiedet er sich von seiner Familie. Vielleicht ist es ein ganz gewöhnlicher Morgen. Er steht auf, macht sich fertig und trinkt noch einen Kaffee. Vielleicht bringt er seine Kinder zur Schule oder in den Kindergarten. Dann küsst er seine Frau, umarmt seine Kinder und sagt vielleicht noch: Bis später. Anschließend schließt er die Haustür hinter sich - so wie Millionen andere Menschen jeden Morgen ihr Zuhause verlassen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. Wenn viele Menschen zur Arbeit gehen, tun sie das mit der selbstverständlichen Erwartung, am Abend wieder nach Hause zu kommen. Bei Polizeibeamten ist diese Selbstverständlichkeit nicht garantiert. Denn sie wissen: Hinter dem nächsten Einsatz kann eine Situation warten, die ihr Leben innerhalb weniger Sekunden für immer verändert. Ein Funkspruch, eine Adresse, ein Einsatzsituation - und plötzlich beginnt etwas, dessen Ausgang niemand kennt. Vielleicht handelt es sich um einen Streit, eine Schlägerei, häusliche Gewalt, einen Verkehrsunfall oder einen Messerangriff. Vielleicht ist es ein Mensch, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Und manchmal ist es genau der Moment, in dem aus einem ganz normalen Dienst ein Kampf um Leben und Tod wird. Stellen Sie sich deshalb einmal vor, Sie wären mit Ihrer Familie in einer Innenstadt unterwegs. Ihre Familie läuft neben Ihnen, Menschen sitzen in Cafés, jemand lacht, jemand telefoniert und das Leben wirkt völlig normal. Plötzlich hören Sie Schreie. Ein Mensch rennt panisch auf Sie zu, hinter ihm läuft ein Täter mit einem Messer in der Hand. Was würden Sie tun? Wahrscheinlich würden Sie das tun, was jeder vernünftige Mensch tun würde: Sie würden versuchen, Ihre Familie in Sicherheit zu bringen. Sie würden Ihre Kinder hinter sich ziehen, Abstand gewinnen und versuchen, wegzukommen. Sie würden fliehen. Und genau in diesem Moment passiert etwas, über das wir viel zu selten nachdenken. Während Sie vor der Gefahr weglaufen, laufen Polizeibeamte auf sie zu. Sie kommen Ihnen entgegen - nicht, weil sie keine Angst haben, sondern obwohl sie Angst haben. Auch sie wissen, dass ein Messer tödlich sein kann. Auch sie wissen, dass ein einziger Stich genügt. Auch sie wissen, dass hinter diesem Täter nicht nur eine abstrakte Gefahr steht, sondern möglicherweise ein Mensch, der in diesem Moment bereit ist, ein anderes Leben zu zerstören. Und trotzdem gehen sie weiter. Sie stellen sich zwischen die Gefahr und die Menschen, die geschützt werden müssen. Manuel Ostermann (29. September 1990 in Rhein) st Bundespalizist und seit April 2026 Bundesvorsitzender der UPoIS Bundespolizeigewerkschaft. Seine Ausbildung bei der Bundespolizei absolvierte er von 2010 bis 2013 Er istinsbe- ‚sondere durch seine öffentlichen Positionen zu innerer Sicherheit und Polizeiarbeit bekannt. Sie wissen nicht, ob sie diesen Einsatz unverletzt beenden werden. Sie wissen nicht, ob sie ihre Familie am Abend wiedersehen. Sie wissen nicht, ob der nächste Schritt ihr letzter sein könnte. Und trotzdem machen sie ihn. Das ist keine Filmszene und keine Heldengeschichte aus einem Drehbuch. Das ist Realität. Und genau deshalb müssen wir darüber sprechen, was es eigentlich bedeutet, Polizeibeamter zu sein. Polizist zu sein bedeutet nicht, furchtlos zu sein. Es bedeutet nicht, keine Angst zu kennen. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, obwohl man die Gefahr kennt. Es bedeutet, in Sekunden Entscheidungen zu treffen, für die andere Menschen manchmal ihr ganzes Leben brauchen würden. Es bedeutet, in Situationen zu gehen, aus denen andere Menschen herauswollen. Und es bedeutet, die eigene Sicherheit manchmal hinter die Sicherheit anderer zu stellen. Wenn Sie den Notruf wählen, kommt jemand. Wenn Sie nachts Angst haben, kommt jemand. Wenn jemand Ihre Familie bedroht, kommt jemand. Wenn Ihr Kind vermisst wird, sucht jemand nach ihm. Wenn ein Mensch gewalttätig wird, muss jemand eingreifen. Und wenn andere Menschen weglaufen, muss jemand stehen bleiben. Dieser jemand ist die Polizei. Doch hinter dieser Uniform steht kein Roboter. Dort steht ein Mensch. Ein Mensch mit einer Familie, mit Eltern, Kindern, einem Partner, Freunden und Kollegen. Ein Mensch mit Hoffnungen und Träumen. Vielleicht ist es jemand, der gerade erst Vater geworden ist. Vielleicht ist es eine Mutter, die morgens ihre Kinder noch in den Arm genommen hat. Vielleicht ist es ein Sohn, dessen Eltern zu Hause auf ihn warten, oder eine Tochter, deren Familie darauf vertraut, dass sie nach ihrer Schicht wieder durch die Tür kommt. Wenn ein Polizeibeamter zum Dienst geht, nimmt er all diese Menschen mit - nicht körperlich, aber im Herzen. Denn jeder Polizeibeamte weiß: Da draußen gibt es Menschen, die auf mich warten. Und trotzdem fährt er zum nächsten Einsatz. Während andere Menschen schlafen, sitzen Polizeibeamte im Streifenwagen. Sie fahren zu Einsätzen, bei denen niemand weiß, was sie erwartet. Sie erleben häusliche Gewalt, sehen schwere Verkehrsunfälle und begegnen Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Sie werden mit aggressiven Menschen konfrontiert, erleben Messerangriffe, werden beleidigt, bedroht und angegriffen. Und manchmal erleben sie Dinge, die sie auch nach Feierabend nicht einfach abschütteln können. Denn Dienstende bedeutet nicht automatisch, dass alles im Kopf vorbei ist. Manche Bilder bleiben. Manche Schreie bleiben. Manche Namen bleiben. Manche Einsätze begleiten einen Menschen noch Jahre später. Und trotzdem stehen diese Frauen und Männer am nächsten Morgen wieder auf. Sie ziehen ihre Uniform an und fahren wieder los - nicht, weil Gewalt für sie normal geworden ist und nicht, weil ihnen Menschen egal sind, sondern weil sie wissen: Wenn jemand Hilfe braucht, muss jemand kommen. Alle fünf Minuten wird in Deutschland ein Polizeibeamter Opfer einer Straftat. Alle fünf Minuten. Hinter dieser Zahl stehen keine anonymen Fälle, sondern Menschen: Mütter, Väter, Töchter, Söhne, Partner, Freunde und Kollegen. Es sind Menschen, die nach ihrer Schicht nichts anderes wollen, als nach Hause zu kommen, die Uniform auszuziehen, ihre Familie zu sehen, ihre Kinder zu umarmen, vielleicht gemeinsam zu Abend zu essen und irgendwann gesund und unversehrt einzuschlafen. Das ist kein Luxus. Das ist das, was jeder Mensch verdient. Und doch ist es für Polizeibeamte keine Selbstverständlichkeit. Vielleicht sollten wir uns deshalb viel öfter bewusst machen, was passiert, wenn wir morgens zur Arbeit gehen, einkaufen, unsere Kinder zur Schule bringen, abends durch die Stadt laufen oder nachts ruhig schlafen. Unsere Sicherheit entsteht nicht einfach. Sie fällt nicht vom Himmel und ist nicht selbstverständlich. Sie wird jeden Tag von Menschen ermöglicht, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Es sind Menschen, die ihren Dienst antreten, obwohl sie wissen, dass sie nicht wissen, was sie erwartet. Menschen, die dorthin gehen, wo andere fliehen. Menschen, die eingreifen, wenn andere keine Möglichkeit mehr sehen. Menschen, die manchmal innerhalb weniger Sekunden entscheiden müssen, wie ein Leben weitergeht. Und genau deshalb sollten wir uns eine Frage stellen: Wie sicher wäre unser Alltag, wenn niemand mehr bereit wäre, diesen Beruf auszuüben?Was wäre, wenn niemand mehr zu Ihnen käme, wenn Sie nachts den Notruf wählen? Was wäre, wenn niemand mehr da wäre, wenn ein Täter Ihre Familie bedroht? Was wäre, wenn niemand mehr bereit wäre, einem Messerangriff entgegenzutreten? Was wäre, wenn niemand mehr in ein brennendes Gebäude gehen würde, um Menschen herauszuholen? Was wäre, wenn niemand mehr nachts durch unsere Straßen fahren würde, um dafür zu sorgen, dass andere Menschen sicher nach Hause kommen? Dann würden wir sehr schnell verstehen, welchen Wert Polizeiarbeit für unsere Gesellschaft hat. Denn Sicherheit bemerken wir meistens erst dann, wenn sie fehlt. Solange alles funktioniert, halten wir sie für selbstverständlich. Solange die Polizei da ist, denken viele Menschen kaum darüber nach. Doch wenn es darauf ankommt, rufen wir genau diese Menschen. Dann erwarten wir, dass jemand kommt - schnell, professionell und entschlossen. Und genau das tun sie. Tag für Tag, Nacht für Nacht, an Wochenenden, an Feiertagen, an Weihnachten und an Silvester. Während andere feiern, arbeiten sie. Während andere schlafen, sind sie im Einsatz. Während Familien gemeinsam am Tisch sitzen, sitzen Polizeibeamte im Streifenwagen. Und manchmal wissen ihre Angehörigen zu Hause nicht einmal genau, was gerade passiert. Sie warten, schauen auf die Uhr, hören vielleicht eine Nachricht und hoffen einfach, dass die Tür irgendwann aufgeht, der Schlüssel im Schloss steckt und der Mensch, den sie lieben, gesund nach Hause kommt. Genau diese Perspektive dürfen wir niemals vergessen. Hinter jeder Uniform steht ein Mensch. Und hinter ‚jedem Polizeibeamten stehen Menschen, die ihn lieben: eine Familie, die wartet, Kinder, die ihren Vater oder ihre Mutter wiedersehen möchten, und Partner, die morgens einen Kuss geben und hoffen, dass dieser Kuss am Abend nicht der letzte war. Das ist die Realität hinter der Uniform. Deshalb geht es bei Respekt vor der Polizei nicht darum, jemanden auf ein Podest zu stellen. Es geht darum, anzuerkennen, welche Verantwortung diese Menschen jeden Tag übernehmen. Polizeibeamte sind keine Superhelden. Sie sind Menschen - Menschen mit Angst, Gefühlen und Familien. Aber sie haben sich entschieden, einen Beruf auszuüben, in dem sie ihre persönliche Sicherheit immer wieder zurückstellen müssen, um andere zu schützen. Das verdient Anerkennung. Das verdient Respekt. Und vor allem verdient es eine Gesellschaft, die hinter ihren Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten steht. Nicht erst dann, wenn einer von ihnen verletzt wird. Nicht erst dann, wenn einer von ihnen im Dienst stirbt. Nicht erst dann, wenn die Kameras eingeschaltet sind und die Öffentlichkeit Anteil nimmt, sondern jeden einzelnen Tag, DER LETZTE Manuel Ostermann // [@)) manuel ostermann Denn hinter jeder Uniform steht ein Mensch. Und dieser Mensch möchte am Ende seines Dienstes nur eines: nach Hause - zu seiner Familie, zu seinen Kindern und zu den Menschen, die ihn lieben. Vielleicht sollten wir deshalb beim nächsten Mal, wenn wir einen Polizeibeamten sehen, nicht nur die Uniform sehen. Vielleicht sollten wir für einen Moment den Menschen dahinter sehen: den Menschen, der heute Morgen seine Familie verlassen hat, den Menschen, der nicht weiß, was die nächsten Stunden bringen, und den Menschen, der trotzdem losfährt. Für uns, für unsere Familien, für unsere Kinder, für unsere Sicherheit, für unseren Rechtsstaat und für unsere Freiheit. Polizist zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Es bedeutet, trotz der Angst Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, zu bleiben, wenn andere fliehen, zu helfen, wenn andere Hilfe brauchen, und sich zwischen Gewalt und Unschuldige zu stellen. Und manchmal bedeutet es, das eigene Leben zu riskieren, damit ein anderer Mensch seines behalten kann. Das ist es, was es bedeutet, Polizeibeamter zu sein. Und genau deshalb verdienen diese Frauen und Männer unseren Respekt - nicht irgendwann, nicht nur im Ausnahmefall und nicht erst dann, wenn etwas Schlimmes passiert, sondern jeden einzelnen Tag, an dem sie ihre Uniform anziehen und ihren Dienst antreten. Jeden einzelnen Tag, an dem sie ihre Familie verabschieden. Jeden einzelnen Tag, an dem sie die Haustür hinter sich schließen. Und jeden einzelnen Tag, an dem sie für uns dorthin gehen, wo wir selbst niemals sein möchten.Denn am Ende steht hinter jeder Uniform ein Mensch. Ein Mensch, der morgens geht und abends nur eines möchte: wieder nach Hause zu kommen. Der letzte Notruf In seinem neuen Buch beleuchtet Mandel Ostermann die zunehmende Belastung, Gewalt und fehlende Wertschätzung gegenüber Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, Pflege und weiteren gesellschaftlichen Institutionen - und zeigt mögliche Lösungswege auf. Das Buch erscheint am 19. Januar 2027.

Der europäische Weg für taktische Medizin am Hund Seite 18

Mare Zierden // [@)) airbornemedicalgroup // medtacgroup EUROPEAN COMMITTEE ON CANINE TACTICAL MEDICINE DER EUROPAISCHE WEG FUR TAKTISCHE MEDIZIN AM HUND Diensthunde in Europa übernehmen Aufgaben, die Menschen unterstützen und unsere Sicherheit gewährleisten. Bei Polizei, Militär, Zoll, Sicherheitskräften, Spezialeinheiten, Jägern und weiteren einsatznahen Bereichen suchen, schützen, sichern und retten sie. Dabei arbeiten sie häufig unter körperlich und medizinisch hochbelastenden Bedingungen. Wird ein solcher Hund verletzt, entscheiden oft wenige Minuten darüber, ob er überlebt, ob er transportfähig bleibt und ob sein Hundeführer handlungsfähig bleibt. Genau an dieser Stelle setzt das European Committee on K9 Tactical Medicine an. Das Komitee wurde gegründet, um taktische Medizin am Hund in Europa fachlich, strukturell und praxisnah weiterzuentwickeln. Ziel ist es nicht, bestehende internationale Konzepte zu ersetzen oder eine Konkurrenz zu etablierten Strukturen aufzubauen. Im Gegenteil: Das European Committee on Canine Tactical Medicine versteht sich als europäische Ergänzung und als fachliche Brücke zu bewährten amerikanischen Konzepten aus dem Bereich K9-TCCC und K9-TECC. Diese Ansätze haben international wichtige Grundlagen geschaffen. Gleichzeitig unterscheiden sich europäische Einsatzrealitäten, Rechtslagen, Ausbildungssysteme, Medikamente, Behördenstrukturen und veterinärmedizinische Zuständigkeiten deutlich von denen in den USA. Deshalb braucht es eine europäische Adaptierung, Gründer und Präsidenten sind Jeffrey Heuninckx von MedTac Belgien und Marc Zierden von der AirMeG GmbH - Airborne Medical Group aus Deutschland. Beide beschäftigen sich seit einigen Jahren mit taktischer Medizin, Ausbildung, Einsatzmedizin und der Versorgung von Dienst- und Arbeitshunden in taktischen Lagen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Erfahrungen aus der Praxis, internationale Standards, europäische Anforderungen und interdisziplinäre Expertise zusammenzuführen. Dabei geht es nicht um nationale Alleingange, sondern um einen europäischen Weg. Mittlerweile umfasst das Netzwerk des Komitees mehr als 60 Menschen aus sieben europäischen Ländern. Dazu gehören Fachleute aus Tiermedizin, militärischer Veterinärmedizin, Polizei, Militär, Rettungsdienst, Sicherheitsbranche, Zoll, Humanmedizin, Jagd, Hundewesen, Ausbildung und taktischer Einsatzpraxis. K9 Tactical Medicine kann nicht aus einer Perspektive gedacht werden. Der verletzte Hund liegt nicht im Lehrbuch, sondern im Einsatz, im Training, im Gelände, im Fahrzeug, im Gebäude, in der Nacht und unter Stress. Deshalb braucht es Tierärzte, Hundeführer, Einsatzkräfte und Ausbilder, die dieses Wissen gemeinsam so aufbereiten, dass es im Ernstfall funktioniert. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung europäischer Standards, Empfehlungen und Guidelines für die taktische Erstversorgung von Dienst- und Arbeitshunden. Dabei soll kein amerikanisches Konzept kopiert werden. Vielmehr sollen internationale Erkenntnisse geprüft, auf europäische Verhältnisse übertragen und dort ergänzt werden, wo Einsatzpraxis, Rechtslage oder Ausbildungssysteme es notwendig machen. Dazu gehören Fragen zur Blutungskontrolle, zur Versorgung von Verletzungen, zum sicheren Transport, zur Kommunikation zwischen Hundeführer, Medic und Tierarzt sowie zur Ausbildung von Ersthelfern am Hund. Ebenso wichtig ist die Standardisierung von Ausbildung und Zertifizierung. In Europa gibt es wenige engagierte Anbieter, Ausbilder und Organisationen. Gleichzeitig fehlt häufig ein gemeinsamer Bezugsrahmen. Was muss ein K9 Medic können? Was sollte ein Hundeführer als Ersthelfer beherrschen? Welche Inhalte gehören in einen Basiskurs, welche in eine fortgeschrittene Ausbildung? Welche Maßnahmen sind realistisch, rechtlich vertretbar und medizinisch sinnvoll? Das Komitee möchte hierzu Orientierung schaffen und langfristig dazu beitragen, Qualität messbarer und vergleichbarer zu machen. Neben Training und Guidelines spielt der fachliche Austausch eine entscheidende Rolle. Das Komitee wächst stetig weiter - nicht nur durch offizielle Mitglieder, sondern auch durch Berater, Unterstützer und Partner. Diese Entwicklung zeigt, wie groß der Bedarf in Europa ist. Viele Diensthundeführer, Ausbilder, Behördenvertreter und Medics haben das Thema schon lange im Blick, aber es fehlte bislang eine gemeinsame Plattform, die medizinische, taktische und veterinärmedizinische Kompetenzen zusammenbringt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Die amerikanischen K9 Medic-, K9-TCCC- und K9-TECC-Konzepte liefern wertvolle Grundlagen. Das Committee möchte diese Grundlagen respektieren, mit ihnen zusammenarbeiten und sie für europäische Anwender nutzbar machen. Ziel ist Interoperabilität statt Abgrenzung. Das European Committee on Canine Tactical Medicine will dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Mit europäischen Standards, fachlichem Austausch, internationaler Zusammenarbeit und einem Netzwerk aus Menschen, die dasselbe Ziel verfolgen: taktische Medizin am Hund in Europa nach vorne zu bringen - professionell und praxisnah.

Tailgate X: Vom Acker zur Großveranstaltung Seite 20

[6] germanredneck.s TAILGATE X VOM ACKER ZUR GROSSVERANSTALTUNG Knapp 5.000 Besucher, schwere Trucks, internationale Musik-Acts und jede Menge Schlamm: Die zehnte Ausgabe des TAILGATE Festivals machte den Flugplatz Ballenstedt vier Tage lang zum Zentrum der europäischen Redneck-Szene. Als der letzte Truck das Festivalgelände verlässt, kehrt auf dem Flugplatz Ballenstedt langsam wieder Ruhe ein. Wo zuvor Motoren dröhnten, Bässe über den Platz rollten und Geländewagen den Mud Pit durchpflügten, läuft nur noch der Abbau. TAILGATE X ist Geschichte - und markiert zugleich den bislang größten Meilenstein des Festivals. Knapp 5.000 Besucher kamen zur Jubiläumsausgabe nach Sachsen-Anhalt. Damit konnte sich das Festival gegenüber dem Vorjahr um nahezu ein Drittel steigern. Was während der Corona-Zeit mit einer kleinen Gruppe und wenigen Fahrzeugen begann, ist inzwischen zu Europe's Biggest Redneck Festival" herangewachsen. Das weitläufige Gelände war in Main Camping, Family Camping, Infield, Händlerbereich, Bühne und Mud Pit gegliedert. Vier Tage lang trafen dort US-Cars, Pick-ups, Offroad-Fahrzeuge und individuell aufgebaute Trucks auf Southern BBQ, Moonshine Bars und eine Mischung aus Country, Rock und Southern Hip-Hop. Im Mud Pit wurde das Material nicht nur ausgestellt, sondern unter realen Bedingungen bewegt - inklusive Schlamm, Wasserdurchfahrten und festgefahrener Fahrzeuge. Eine Premiere feierte in diesem Jahr das Bobbycar-Downhill-Race. Auf Bobby-Cars ging es einen steilen Berg hinunter - gefahren wurde gegen die Uhr und um einen eigenen Pokal. Was zunächst nach einem eher harmlosen Spaß aussah, entwickelte sich schnell zu einem ernsthaft umkämpften Wettbewerb. Fahrer und Zuschauer feuerten jede Fahrt lautstark an, auf der Strecke ging es entsprechend heiß her. Trotz der rasanten Abfahrten blieb die Premiere ohne größere Zwischenfälle. Auch musikalisch musste das Organisationsteam kurzfristig reagieren. Colt Ford konnte infolge eines Unfalls und der daraus resultierenden Verletzungen nicht auftreten. Als Ersatz wurde Bubba Sparxxx verpflichtet, der seinen Mix aus Southern Hip-Hop und Country nach Ballenstedt brachte. Gemeinsam mit Demun Jones, der die Bühne regelrecht abriss, und den KrawallBriidern bildete er das Trio der musikalischen Hauptacts von TAILGATE X. Die Dimension der Veranstaltung weckte auch überregional ‚Aufmerksamkeit. Der MOR berichtete live vom Festivalgelände und strahlte Beiträge um 14 und 16 Uhr aus. Damit erreichte TAILGATE X auch zahlreiche Zuschauer, die nicht selbst in Ballenstedt dabei sein konnten. Hinter der Veranstaltung stand eine knapp 30-köpfige feste Crew um Veranstalter Anthony Abrantes. Unterstützt wurde sie von unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfern. Angesichts des starken Besucherzuwachses mussten Einlass, Verkehrsführung, Campingbereiche, Versorgung und Veranstaltungsbetrieb noch einmal deutlich größer geplant werden als im Vorjahr. Für die Absicherung des Geländes war SDH Security im Einsatz. Die Feuerwehr Ballenstedt und der SOG Sanitätsdienst unterstützten die Veranstaltung jeweils mit einer eigenen Abordnung. Gemeinsam sorgten die beteiligten Kräfte dafür, dass zwischen schweren Fahrzeugen, Offroad-Action, Campingbetrieb und mehreren Tausend Besuchern feste Strukturen und Ansprechpartner vorhanden waren. Auch vonseiten der Stadt Ballenstedt fiel die Rückmeldung sehr positiv aus. Die Zusammenarbeit zwischen Veranstalter, Stadt und den beteiligten Kräften verlief über das gesamte Wochenende hinweg ausgesprochen gut. Damit bewies TAILGATE X, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nur durch verlässliche Absprachen und ein starkes Zusammenspiel aller Beteiligten funktionieren kann. Trotz seiner inzwischen beachtlichen Größe hat TAILGATE seinen ursprünglichen Charakter behalten: laut, dreckig und unkonventionell - zugleich aber geprägt von Gemeinschaft gegenseitiger Hilfe und einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Gelände. Der Großteil der Gäste hinterließ seine Stellflächen sauber und unterstützte damit den geordneten Abschluss des Wochenendes. Nach dem Festival begann unmittelbar der Rückbau des Veranstaltungsgelandes. Campingflächen wurden geräumt, Müll eingesammelt und die letzten Fahrzeuge vom Platz gebracht. Mit der Abfahrt des letzten Trucks endete TAILGATE X offiziell. Stillstand gibt es für Anthony Abrantes und sein Team dennoch nicht. Die Auswertung läuft, neue Ideen entstehen und die Vorbereitungen für TAILGATE 11 sind bereits angelaufen. DENN NACH TAILGATE IST VOR TAILGATE. www.germanrednecks.com

Kettlebell-Workout Seite 23

BEN // ) BEN.RNDL FUNF RUNDEN. ZWANZIG WIEDERHOLUNGEN. EINFACH DU, DIE KUGEL UND KEINE AUSREDEN. FIGUR! uFT T DIR er zur ENN DU’S — UNTER en eo, GRIFFKRAFT AM LIMIT,

Die nächste Generation der Tactical Medicine Seite 24

Gino Spahn // DIE NACHSTE GENERATION DER TACTICAL MEDICINE Was macht einen guten Combat Medic aus? "Knowledge and experience create capability. Sharing knowledge and experience creates community. gino.sierra Viele würden wahrscheinlich auf hochwertige Ausrüstung, moderne Medikamente oder eine Vielzahl an Qualifikationen verweisen. All das ist notwendig. Doch nach vielen Jahren in der militärmedizinischen Ausbildung, der taktischen Praxis und dem intensiven Austausch mit Experten weltweit ist mir eines klar geworden: Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Material. Er liegt in unserem Wissen, unserem Mindset und unserer Bereitschaft, voneinander zu lernen. Im Rahmen der Special Operations Medical Association (SOMA) Scientific Assembly wurden auch in diesem Jahr neue Produkte, medizinische Innovationen und wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt. Der größte Mehrwert entstand jedoch nicht im Hörsaal. Er entstand im direkten Austausch. Combat Medics, Arzte, Wissenschaftler und Einsatzkräfte verschiedener Nationen diskutierten offen über Erfahrungen, Herausforderungen und Lösungsansätze. Unterschiedliche Perspektiven flossen zusammen und das geteilte Wissen wurde zur Grundlage für die Weiterentwicklung der TacMed. Dieser Gedanke beschreibt treffend, was moderne TacMed heute ausmacht. Fähigkeiten entstehen durch Wissen und Erfahrung. Doch erst das Teilen von Lessons Identified schafft eine Gemeinschaft, die nachhaltig wachsen und sich weiterentwickeln kann. Das Verständnis von TacMed verändert sich permanent. Moderne Konflikte, neue Bedrohungen und komplexe Einsatzräume verlangen mehr als das sichere Beherrschen einzelner Skills. Diese bleiben unverzichtbar und bilden das Fundament unseres Handelns. Erst fundiertes Wissen und Erfahrung ermöglichen es, Situationen richtig einzuordnen, Entscheidungen unter hohem Zeitdruck zu treffen und medizinische Maßnahmen an eine dynamische Einsatzrealität anzupassen. Das gilt für militärische Kräfte ebenso wie für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben Gerade Themen wie Damage Control Resuscitation und Medical Planning zeigen diesen Wandel deutlich. Die Verwundetenversorgung beginnt nicht erst mit dem ersten medizinischen Kontakt. Sie beginnt bereits in der Vorbereitung, der Planung und im gemeinsamen Verständnis des Auftrags. Der Combat Medic der Zukunft ist deshalb nicht mehr nur Behandler. Er muss das medizinisch-militärische Gesamtsystem verstehen, um als Berater, Multiplikator und fester Bestandteil militärischer Entscheidungsprozesse zu agieren. Diese Entwicklung endet nicht bei den Spezialkräften. Die Erfahrungen moderner Konflikte zeigen, dass auch die konventionelle Infanterie zunehmend von einem tieferen Verständnis taktischer Medizin profitiert. Verwundetenversorgung ist keine isolierte Aufgabe des Sanitätsdienstes, sondern eine gemeinsame Verantwortung des gesamten Verbandes. Jeder Führer und jeder Soldat muss die Auswirkungen medizinischer Entscheidungen auf den Auftrag verstehen. Genau hier entsteht die Verbindung zwischen taktischer Handlung, medizinischer Kompetenz und militärischer Einsatzfähigkeit. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die nächste Generation. Kurse, Qualifikationen und Zertifikate bleiben feste Bestandteile der professionellen Entwicklung. Entscheidend ist jedoch die Haltung dahinter. Wer nach Abschluss seiner Ausbildung aufhört zu lernen und sich auf das Minimum zum Erhalt seiner Qualifikationen beschränkt, verliert den Anschluss und wird zum Risiko für Kameraden und Auftrag. Wer dagegen bereit ist, Wissen und Erfahrungen auch auf internationaler Ebene zu teilen, erweitert kontinuierlich den eigenen Horizont und gestaltet die Zukunft der TacMed aktiv mit. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die nächste Generation. Kurse, Qualifikationen und Zertifikate bleiben feste Bestandteile der professionellen Entwicklung. Entscheidend ist jedoch die Haltung dahinter. Wer nach Abschluss seiner Ausbildung aufhört zu lernen und sich auf das Minimum zum Erhalt seiner Qualifikationen beschränkt, verliert den Anschluss und wird zum Risiko für Kameraden und Auftrag. Wer dagegen bereit ist, Wissen und Erfahrungen auch auf internationaler Ebene zu teilen, erweitert kontinuierlich den eigenen Horizont und gestaltet die Zukunft der TacMed aktiv mit. Genau deshalb sind internationale Netzwerke heute wichtiger denn je. Die SOMA ist weit mehr als eine jährliche Konferenz. Sie bringt Combat Medics, Ärzte, Wissenschaftler und weitere Fachexperten zusammen, die trotz unterschiedlicher Uniformen, Organisationen und Einsatzrealitäten dieselbe Überzeugung teilen: TacMed entwickelt sich dann am schnellsten, wenn Erfahrungen offen geteilt und gemeinsam weitergedacht werden. Die Zukunft der TacMed wird nicht allein durch neue Technologien oder bessere Ausrüstung bestimmt. Sie wird von Menschen geprägt, die neugierig bleiben, Verantwortung übernehmen und nie aufhören zu lernen. Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Combat Medics befindet sich nicht in seiner Ausrüstung. Er befindet sich zwischen seinen Ohren. HptFw Gino Spahn SME TacMed, TC-Representative & Course Coordinator NCOIC Training & Simulation NAEMT

Terror, Amok oder Gewaltkriminalität: Warum die Unterscheidung wichtig ist Seite 26

Warum die Unterscheidung wichtig ist! Ein Fahrzeug fährt in eine Menschenmenge. Ein Täter greift mit einem Messer an. Ein Bewaffneter eröffnet das Feuer. Solche Lagen können ähnlich aussehen. Dahinter kann dennoch Terrorismus, Amok oder andere Gewaltkriminalität stehen. Entscheidend sind Motiv und Ziel. Das Bundeskriminalamt bezeichnet terroristische Straftaten als die extremste Ausprägung der Politisch motivierten Kriminalität. Terrorismus kann darauf gerichtet sein, die Bevölkerung schwerwiegend einzuschüchtern, staatliche Stellen zu einem Handeln oder Unterlassen zu zwingen oder grundlegende politische, verfassungsrechtliche, wirtschaftliche oder soziale Strukturen zu destabilisieren. Auch ein Einzeltäter kann terroristisch handeln. Eine Organisation ist keine Voraussetzung. Der Verfassungsschutz betrachtet Extremismus als Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Radikale Ansichten allein sind noch kein Terrorismus. Entscheidend ist, ob eine politische, religiöse oder ideologische Überzeugung die Gewalttat bestimmt. Der Polizeiliche Staatsschutz bearbeitet die Politisch motivierte Kriminalität, darunter PMK rechts, PMK links und religidse Ideologie. Für die Bewertung zählen Motivation, Tatplanung, Kommunikation und Zielauswahl Amok ist kein eigener Straftatbestand und keine einheitliche PKS-Kategorie. Gemeint sind schwere Gewalttaten gegen mehrere Menschen, bei denen persönliche Motive wie Hass, Kränkung, Rache oder Konflikte im Vordergrund stehen. Eine psychische Erkrankung ist kein Abgrenzungsmerkmal. Deshalb gilt: Messer bedeutet nicht Terror. Schusswaffe bedeutet nicht Amok. Fahrzeug bedeutet nicht Terror. Entscheidend ist: Warum handelt der Täter und was will er erreichen? Grafik von www.messerinzidenz.de Drei Formen terroristischer Gewalt Für Rechtsterrorismus steht Halle 2019. Der Täter versuchte an Jom Kippur, bewaffnet in eine Synagoge einzudringen. Nachdem dies misslang, ermordete er zwei Menschen. Seine antisemitische und rechtsextremistische Ideologie bestimmte die Tat. Bsp.: Halle 2019, rechtsterroristisch Beim Linksterrorismus ist genaue Formulierung wichtig Nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung im Südwesten Berlins vom 3. Januar 2026 ermittelt der Generalbundesanwalt unter anderem wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil ist es ein terroristischer Verdachtsfall. Bsp. Berlin 2026, terroristischer Verdachtsfall Für religiös motivierten islamistischen Terrorismus steht der Breitscheidplatz vom 19. Dezember 2016. Ein islamistischer Terrorist steuerte einen Lkw in den Weihnachtsmarkt. Insgesamt starben 13 Menschen an den unmittelbaren und späteren Folgen des Anschlags. Bsp. Breitscheidplatz 2016, islamistischer Terrorismus Magdeburg: Anschlag ist nicht automatisch Terror Am 20. Dezember 2024 fuhr ein Mann mit einem Fahrzeug durch den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Sechs Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt. Tatort und Tatmittel erinnerten zunächst an bekannte Terroranschlage. Im Juni 2026 verurteilte das Landgericht Magdeburg den Täter zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Nach gerichtlicher Bewertung standen persönliche Motive im Vordergrund. Magdeburg zeigt damit: Ein Anschlag ist nicht automatisch ein Terroranschlag. Auch Trier 2020 und Hamburg 2023 wurden als Amoktaten eingeordnet. In Trier starben sechs Menschen, in Hamburg sieben. Terror oder Amok? Motiv. ideologisch // persönlich Ziel: Wirkung nach außen // Gewalttat selbst Täter. Gruppe oder allein // meist allein Tatmittel: dieselben Tatmittel möglich Schusswaffen in Deutschland Die PKS unterscheidet zwischen Drohung mit einer Schusswaffe und tatsächlicher Schussabgabe. 2016 wurden 4.425 Drohungen und 5.542 Schussabgaben erfasst, 2020 waren es 4370 Drohungen und 4454 Schussabgaben und 2025 waren es 5.281 Drohungen und 4.360 Schussabgaben. Mit Schusswaffe geschossen bedeutet nicht automatisch Schüsse auf Menschen. Auch Sachbeschädigungen zählen. Bei einer Drohung kann bereits der Anschein einer Schusswaffe genügen. Die Statistik trennt zudem nicht automatisch legalen und illegalen Waffenbesitz. Messerangriffe in Deutschland Nach Bundesregierung und PKS liegt ein Messerangriff vor, wenn ein Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird. Das bloße Mitführen reicht nicht. Eine seriöse Zehnjahresreihe ist nicht möglich, weil der Merkmalsschlüssel Messerangriff erst 2020 eingeführt wurde. 2024 registrierte die PKS bundesweit 29.014 Messerangriffe. 2025 waren es 29.243, ein Anstieg um rund 0,8 Prozent. Diese Zahl sagt nicht aus, ob dahinter Terrorismus, Amok, Raub oder andere Gewalt stand. Warum Statistiken nicht vermischt werden dürfen Terrorismus wird über die Politisch motivierte Kriminalität und den Staatsschutz erfasst, Schusswaffengebrauch und Messerangriffe über die PKS. Diese Zahlen beschreiben unterschiedliche Phänomene und dürfen nicht direkt gegeneinander aufgerechnet werden. Auf den Punkt gebracht Terror definiert sich über Motivation und Ziel, nicht über die Waffe. Ein Terrorist kann allein handeln, ein Amoktäter lange planen. Messer, Schusswaffen und Fahrzeuge können bei beiden Phänomenen eingesetzt werden. Anschlag und Terroranschlag sind keine Synonyme. Die wichtigste Unterscheidung lautet: Terrorismus benutzt Gewalt, um über die unmittelbaren Opfer hinaus eine politische, religiöse oder ideologische Wirkung zu erzielen. Bei Amok stehen die Gewalttat selbst und die persönliche Motivation des Täters im Mittelpunkt. Quellen und weiterführende Informationen 1. BKA: Politisch motivierte Kriminalität, Polizeilicher Staatsschutz. 2. Bf. Verfassungsschutzbericht 2019, Rechtsterrorismus. 3. Land Berlin: Breitscheidplatz, 19.12.2016. 4. Deutscher Bundestag, Drs. 21/4308: Berliner Stromanschlag 26. 6. BKA: PKS 2024 und 2025, Messerangriffe und Schusswaffen, 7. Deutscher Bundestag, Drs. 21/5661: Messerangriffe 2025. ‚Abruf über. bka.de, verfassungsschutz.de, bundestag.de, berlin.de und Justizportal Sachsen-Anhalt.